29. März 2007
Ökumenisches Gespräch: Rheingauer Dekane sprechen sich für Konzentration auf „Kerngebiete“ aus
Zukunft der Kirche im Rheingau
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| Quelle: C. Weise Dekan Schmid (links) und der katholische Bezirksdekan Daniel Vergrösserung |
Wie sieht die Zukunft der Kirche im Rheingau aus? Unter diesem Titel sprachen die Dekane Klaus Schmid vom Evangelischen Dekanat Bad Schwalbach und der kommissarische katholische Bezirksdekan Holger Daniel vom Dekanat Rheingau in Oestrich-Winkel am 15. März 2007. Es war der vierte Abend der ökumenischen Vortragsreihe „Kirche wohin gehst Du?“ Einigkeit herrschte in dem Punkt, dass man im Rheingau künftig noch mehr ökumenisch zusammenarbeiten möchte. Gute Beispiele seien die ökumenischen Abend- und Friedensgebete sowie diese gemeinsame Vortragsreihe. Daniel berichtete sogar über einen Fall, in dem ein evangelischer Jugendlicher am katholischen Firmunterricht teilnahm, „weil er mehr über die katholische Kirche lernen wollte.“
„Keine geistlichen Kaffeeröster“
„Kirche wird nicht mehr nur über die Ortsgemeinde wahrgenommen, wir werden als Christen und nicht mit unseren konfessionellen Unterschieden wahrgenommen“, zitierte Schmid das Ergebnis der jüngsten Studie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Kirche könne nicht mehr alles anbieten, sondern sich auf einzelne Schwerpunkte konzentrieren, so Schmid weiter. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau habe aus diesem Grund fünf Handlungsfelder benannt, der besondere Aufmerksamkeit zukommen soll: Seelsorge, Verkündigung, Ökumene, gesellschaftliche Verantwortung (diakonisches Handeln) und Bildung. „Wir sind keine geistlichen Kaffeeröster“, mahnte Schmid, der 13 Jahre lang in Rüdesheim Gemeindepfarrer war. Er spielte damit auf die Kaffeehausketten an, in denen es schon lange neben Kaffee viele andere branchenuntypische Produkte zu kaufen gibt.
3.000 Gemeindeglieder alle 10 Jahre weniger
Auch Bezirksdekan Daniel ging selbstkritisch auf die derzeitige Entwicklung ein. Im Rheingau verlöre man alle 10 Jahre etwa 3.000 Mitglieder alleine wegen der demografischen Entwicklung und weil es für junge Familien aufgrund der Arbeitsplatzsituation schwer sei, sich im Rheingau niederzulassen. Auch der Priestermangel sei nicht zu beschönigen, so Daniel. Derzeit habe man fünf Pfarrer und zwei Kapläne im Rheingau. Es gäbe durchaus Gemeinden, die am Rande der „Lebensfähigkeit“ seien. Aber die aktuelle Situation und das Programm des Bistums „Sparen und Erneuern“ biete auch etwas Positives. „Dadurch werden Energien freigesetzt!“ betonte der 42jährige. Es wäre falsch, diese Gemeinden „an einen Tropf“ zu hängen. Die Gemeinden müssten überlegen, was sie tun wollen. Die Praxis zeige, dass dieser Weg auch eingeschlagen wird, und Kirchen eigenständig renoviert würden oder der Gottesdienstbesuch steige. Angesichts der Entwicklung im Pfarrdienst müsse sich diese Entwicklung in der Zukunft fortsetzen.
„Nicht die versorgte Gemeinde ist das Bild der Zukunft, sondern die sorgende Gemeinde“, so Daniel. Schon jetzt gäbe es im Bistum Limburg mehr Pfarrer im Ruhestand (125) als aktive Pfarrer (120). Schmid unterstrich, dass ein Umdenken notwendig sei, weg von der „Komm-Struktur“ hin zu einer „Geh-Struktur“. “Nach Bonhoeffer ist Kirche immer eine Kirche für andere, also eine offene Kirche.“ Dies gelänge nur, so der katholische Dekan, wenn Gemeinden mit allen ihren Haupt- und Ehrenamtlichen ihren Blick nach außen schärfen und darauf hinarbeiten eine „Missionarische Kirche zu sein.“ Das Evangelium sei das „Kernprodukt“ beider Konfessionen, das im Mittelpunkt stehen müsse. Und ein Besucher fügte hinzu: “Wir müssen uns bewegen und über unseren Glauben sprechen.“
Christian Weise