05. Juli 2006

Propsteiveranstaltung Süd-Nassau zum Thema "Milieu- und Lebensstilforschung"

Statements und Diskussionspunkte

Propst Rink Vergrößerung  
Gespräch mit Pfarrer Ulf Häbel Vergrößerung  
Gespräche in Gruppen Vergrößerung  
Gespräche in Gruppen Vergrößerung  
moderiertes Gespräch Vergrößerung  
Plenum Vergrößerung  
eigene Ideen festhalten Vergrößerung  
Gespräch Vergrößerung  
gemeinsames Nachdenken und Diskutieren Vergrößerung  
  Impulsreferate zum Nachlesen von
  Prof. Dr. Eberhard Hauschildt (PDF, 14 KB)
Dr. Claudia Schulz (PDF, 63 KB)
Prof. Dr. W. Vögele (PDF, 10 KB)
Prof. Dr. W. Vögele zur Kirchenreform in Baden (PDF, 77 KB)

Aus der Einleitung durch Dr. Ulf Häbel, Vorsitzender des Theologischen Ausschusses der EKHN-Synode:

Es herrscht ein sehr großes Faktenwissen in der Gesellschaft, es mangelt jedoch an Veränderungsintelligenz. Er zitiert Peter Berger, nach dessen Theorie es drei mögliche Wege gibt, mit den derzeitigen Problemen umzugehen:

  • Rückzug, der letztlich in den Fundamentalismus führt
  • Anpassung um jeden Preis, was in die Beliebigkeit führt
  • Auseinandersetzung, die Entwicklung bedeutet


Aus den Statements der externen Experten über die Entwicklung der EKHN bis zum Jahr 2025:

Dr. Claudia Schulz, Theologin und Religionssoziologin aus Bremen, Mitarbeiterin an der neuen EKD-Mitgliedschaftsstudie:

Es wird nicht gelingen, für jedes Milieu ein extra Angebot zu machen.
Menschen, die sich heute in Kirche engagieren, wollen Geselligkeit, dieses Milieu wird jedoch aussterben.
Wir müssen eine Kirche der Gemeinschaft neben einer der Geselligkeit entwickeln.
Kirche arbeitet derzeit sehr gut in lokalen Bezügen.
Kirche tut sich schwer mit Menschen, die regional oder überregional denken oder leben.
Kirche sollte Aufwand, Energie, personelle und finanzielle Ressourcen von der Versorgung der Kerngemeinde hin zu denjenigen verlagern, die entfernter aber nicht abgeneigter der Kirche gegenüberstehen.


Prof. Dr. Wolfgang Vögele, Privatdozent für Systematische Theologie, Berlin:

Kirche ist, anders als Parteien oder Gewerkschaften, sehr differenziert aufgestellt und geht auf unterschiedliche Milieus zu. Soziale Milieus haben jedoch einen ganz eigenen Trägheitsfaktor. Darauf müssen Reformprozesse Rücksicht nehmen.

Vögele sieht vier Problemfelder:

  • Pfarrerrolle und Rolle der Ehrenamtlichen: „Wir müssen diskutieren, ob wir Pfarrer als TheologInnen oder als ÖffentlichkeitsarbeiterInnen wollen.“
  • Kasualien: Hier muss die Qualität stimmen. Menschen erinnern sich auch noch nach dreißig Jahren, ob die Taufe, Trauung oder Trauerfeiern gut oder schlecht war.
  • Alltagsethik: Kirche muß Alltagsorientierung geben
  • Dialog mit den Eliten: Das Modell der kirchlichen Akademien hat seine Zeit gehabt. „Jetzt können wir sie entweder neu erfinden oder der Dialog mit der oberen Schicht muß auf andere Weise geschehen“.

 

Prof. Dr. Wolf-Dieter Hauschildt, Kirchengeschichtler:

Kirche war früher eine Institution, zu der man dazugehörte. Heute entwickelt sie sich zu einer Organisation. In Zukunft wird sie Elemente beider Größen haben.
Für Kirche 2025 gibt es drei Szenarien:

  • Kongregationalisierung: Das amerikanische Modell. Gemeinden geraten in Konkurrenz, hier werden sich die Milieus spalten. Nachteil: Ein Kirchenbindung aus der Distanz ist schwer herzustellen.
  • Filialisierung: Die Grundversorgung in Filialgemeinden wird sichergestellt, hier dominiert jedoch ein Milieu die anderen.
  • Regionalisierung: Gemeinsam verantwortet werden Orte mit Schwerpunktfeldern besetzt. Das setzt gute Entscheidungsprozesse voraus- von der guten Partizipation zu guten Entscheidungen.

 

Aus der Diskussion:

Kirche soll 2025

  • ...seelsorgerliche Kompetenz stärken
  • ...Ehrenamtliche mitgestalten lassen
  • ...Repräsentanten in der Region haben
  • ...sprachfähig sein
  • ...entschieden haben, was sie unter kirchlichen Orten versteht
  • ... ein Profil entwickelt haben
  • ... solchen Einrichtungen einen Bestand garantieren, die zur Entwicklung dieses Profils beitragen
  • ... sich von Einrichtungen getrennt haben, wo andere Anbieter das Gleiche anbieten: Familienberatung, Erwachsenenbildung, Kirchliche Krankenhäuser, Altenpflege, Diakoniestationen
  • ... keine Konkurrenz mehr kennen zwischen Fach- und Profilstellen auf der einen und den Zentren auf der anderen Seite

 

Pfarrer Dietmar Burkhardt

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